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Altes Schloss Schleißheim

Museum / Sammlungen

Das Museum im Alten Schloss Schleißheim, ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, beherbergt zwei Sammlungen unter einem Dach: Die "Ökumenische Sammlung Gertrud Weinhold – Das Gottesjahr und seine Feste" und die Sammlung "Es war ein Land …" zur Landeskunde Ost- und Westpreußens.


Ökumenische Sammlung Gertrud Weinhold – Das Gottesjahr und seine Feste

 

 

Bild: Ikone

Ikone. Christus, das Gütige
Schweigen. Holz, Levkas,
Eitempera. Russland, um 1700

Die Dauerausstellung zeigt in 250 Vitrinen über 6000 Einzelobjekte der religiösen Fest- und Alltagskultur der Völker. Sammlung und Präsentation sind das Werk der Berliner Mäzenin Prof. E.h. Gertrud Weinhold (1899-1992), das sie durch Erbvertrag dem Freistaat Bayern widmete.

In dem auf zahllosen Reisen zusammengetragenen Kosmos laienfrommer Kunstschöpfungen wird der Besucher konfessionsübergreifend durch die farbigen Szenarien der Kalenderbräuche rund um den Globus geführt. Leitgedanke ist eine vergleichende ökumenische Schau des auf der Grundlage der Heiligen Schriften entwickelten religiösen Festwesens.

 

Bild: Apokalyptische Reiter

Apokalyptische Reiter. Papiermaché-Figur von
Victor Fosado zum mexikanischen Totenfest
(Allerseelen). Méxiko, 1965

Die Inszenierung des "Gottesjahrs" im Dialog der Kulturen war seinerzeit geradezu vorausschauend und birgt heute das didaktische Potential für Schule und Erwachsenenbildung über die materielle Kultur der Weltreligionen, über eigene und fremde Brauchmuster. Das Museum kann über die Präsentation traditioneller Frömmigkeitskulturen hinaus zum besseren Verständnis der Konfessionenvielfalt moderner Gesellschaften beitragen.

Schwerpunktmäßig sind die christlichen Konfessionen vertreten, unter anderem mit über 120 Krippendarstellungen, deren Ausbreitung über die ganze Christenheit das Spektrum der angewendeten Techniken und Rohstoffe bedeutend erweiterte.

 

Bild: Himmlisches Reittier des Propheten Muhammad

Buraq. Himmlisches Reittier des Propheten
Muhammad. Farblithographie. Ägypten, um 1960

Ebenso breiter Raum kommt der Passion des Erlösers sowie analog den Totenkulten der Völker und vor allem dem Ostermysterium und den das Fest begleitenden (unter andrem Palm- und Eier-) Bräuchen zu. Aus Übersee wird das "heilige Handwerk" der Missionsländer Afrikas, der Neuen Welt und Asiens vorgestellt.

Die Ausstellung schließt mit einem Blick auf die Andachtsmittel der Nachbarreligionen Judentum, Islam und Buddhismus in der Abteilung "Paradies", das als religionenübergreifende Vorstellung von einem vor- wie endzeitlichen Glückszustand eine zentrale Jenseitsvision der Menschheit illustriert.


"Es war ein Land …" – Sammlung zur Landeskunde Ost- und Westpreußens

 

 

Bild: Skulptur "Kämpfende Wisente"

Kämpfende Wisente. Bronzeskulptur auf Marmorsockel.
Kopie nach der Skulptur August Gauls von 1912 vor dem
Landgericht in Königsberg, im Volksmund " Staatsanwalt
und Verteidiger" genannt. Um 1935

"Es war ein Land …" beginnt ein Gedicht von Agnes Miegel, in dem sie wehmütig ihrer verlorenen ostpreußischen Heimat gedenkt. So heißt auch der Sammlungstitel einer an die 400 Objekte umfassenden Dauerausstellung zur Geschichte und Kultur Ost- und Westpreußens, jener östlichsten preußischen Provinzen, die infolge der Vertreibung fast aller ihrer deutschen Einwohner für Millionen von Menschen seit 1945 nur noch in der Erinnerung weiterbestanden.

Nachgezeichnet in Wort und Bild ist die Entwicklung einer alten, ehemals deutschen Kulturlandschaft, beginnend mit ihrer Missionierung und Kolonisierung durch den Deutschen Orden. Spätere Epochen veranschaulichen ein Kupfer mit der Salbung des ersten preußischen Königs Friedrich I. 1701, Orden und eine umfangreiche Münzsammlung.

Bild: 2 Väschen

2 Väschen. Cadiner Majolika mit
gekrönten Goldinitialen Kaiser
"W(ilhelms II.)" und seiner zweiten
Frau "H(ermine)". Um 1920.
Höhe: 9,5 cm

Weitere Säle widmen sich dem Alltagsleben in Stadt und Land. Das ostpreußische Wappentier ist durch einen mächtigen Elchkopf vertreten. Zu den natürlichen "Wahrzeichen" gehört auch das als "Gold der Ostsee" bezeichnete weltgrößte Bernsteinvorkommen an der Samlandküste. Hiervon kündet eine Fülle kunsthandwerklicher Erzeugnisse. Ähnlich bekannt sind die Arbeiten der 1904 in Cadinen gegründeten "Königlichen Majolika- und Terrakottenwerkstätten" Wilhelms II.

Weitere Themen sind "Berühmte Persönlichkeiten", allen voran Immanuel Kant. Die Schriftsteller Ernst Wichert, Max Halbe, Ernst Wiechert und Agnes Miegel und der Maler Lovis Corinth sind mit Autographen, Bildern oder einer Totenmaske ausgewiesen. Ferner "Die Universität Königsberg (Albertina)", 1544 gegründet, an der außer Landeskindern eine internationale Klientel studierte und die Ausgangspunkt bedeutender geistiger Strömungen wurde. Das Land zwischen Weichsel und Memel steht ferner für ein Kapitel "Religiöse Toleranz" und Vielfalt. Zum Ausklang wird der Besucher über die Arbeit der Ost- und Westpreußenstiftung in Bayern informiert, aus deren Beständen die Sammlung stammt.

© Text und Bilder: Bayerisches Nationalmuseum

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